München,20.03.25

Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

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Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

Emotionale Instabilität bei Jugendlichen – eine TFP-orientierte Einordnung
 
Emotionale Instabilität ist ein zentrales Thema in der psychotherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen. Viele erleben ihre Gefühle als widersprüchlich, schwer steuerbar oder innerlich zerrissen. Dieser Beitrag ordnet emotionale Instabilität konsequent aus der Perspektive der übertragungsfokussierten Psychotherapie (TFP) ein und beleuchtet innere Strukturen sowie Beziehungserfahrungen.
 
Emotionale Instabilität als Ausdruck innerer Struktur
 
Aus TFP-Sicht ist emotionale Instabilität kein isoliertes Problem einzelner Gefühle, sondern Ausdruck noch nicht integrierter Selbst- und Beziehungserfahrungen. Unterschiedliche innere Zustände stehen nebeneinander und sind stark affektiv aufgeladen.
 
Je nach Situation kann ein Zustand dominieren, während andere innerlich abgespalten bleiben. Der Wechsel zwischen diesen Zuständen erfolgt oft abrupt und wird als kaum steuerbar erlebt. Emotionale Instabilität entsteht damit weniger durch die Intensität an sich, sondern durch die fehlende innere Verbindung zwischen emotionalen Erfahrungen.
 
Affekte als Zugang zum inneren Erleben
 
In der übertragungsfokussierten Psychotherapie nehmen Affekte eine zentrale Rolle ein. Gefühle werden nicht primär als etwas betrachtet, das kontrolliert oder reduziert werden muss, sondern als Zugang zum inneren Erleben und zu unbewussten Beziehungsmustern.
 
Emotionale Instabilität zeigt sich besonders deutlich im aktuellen Beziehungsgeschehen – auch innerhalb der therapeutischen Situation. Affektive Reaktionen werden gemeinsam benannt, differenziert und in ihrem Zusammenhang verstanden. So wird es möglich, emotionale Zustände innerlich einzuordnen, anstatt ihnen ausgeliefert zu sein.
 
Beziehungsmuster und Übertragung
 
Jugendliche mit emotionaler Instabilität reagieren häufig sehr sensibel auf Nähe, Distanz und Veränderungen im Verhalten anderer. Diese Reaktionen sind aus TFP-Perspektive Ausdruck aktivierter innerer Beziehungsmuster.
 
In der therapeutischen Arbeit werden diese Muster im Hier-und-Jetzt sichtbar. Übertragungsreaktionen ermöglichen es, innere Beziehungserfahrungen konkret zu erfassen und zu verstehen. Ziel ist nicht, Verhalten zu korrigieren, sondern die innere Differenzierung dieser Beziehungserfahrungen zu fördern.
 
Identitätsentwicklung und emotionale Stabilität
 
Emotionale Instabilität steht in engem Zusammenhang mit der Identitätsentwicklung im Jugendalter. Wenn unterschiedliche Selbstbilder nicht miteinander integriert sind, kann das eigene Erleben als widersprüchlich oder instabil empfunden werden.
 
TFP unterstützt den Prozess, diese unterschiedlichen inneren Zustände in Beziehung zueinander zu bringen. Durch das schrittweise Verstehen innerer Gegensätze kann ein kohärenteres Selbstgefühl entstehen. Emotionale Stabilität entwickelt sich dabei nicht durch Kontrolle, sondern durch innere Integration.
 
Therapeutische Perspektive
 
Eine TFP-orientierte Psychotherapie bietet einen strukturierten Rahmen, um emotionale Instabilität im Zusammenhang mit inneren Konflikten, Affekten und Beziehungserfahrungen zu verstehen. Im Mittelpunkt steht der Aufbau von innerer Struktur, Affektdifferenzierung und Identitätskohärenz.
 
Emotionale Instabilität wird dabei nicht isoliert behandelt, sondern als Teil eines umfassenderen inneren Entwicklungsprozesses verstanden.
 
Fazit
 
Emotionale Instabilität bei Jugendlichen ist aus psychodynamischer Sicht Ausdruck innerer Entwicklungs- und Integrationsprozesse. Die übertragungsfokussierte Psychotherapie ermöglicht es, affektive Zustände, Beziehungsmuster und Selbstbilder schrittweise in einen verständlichen inneren Zusammenhang zu bringen – als Grundlage für langfristige emotionale Stabilität.