München,20.03.25

Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

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Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

 

Innere Leere im Jugendalter ist ein häufig beschriebenes Erleben. Viele Jugendliche formulieren Sätze wie „Ich fühle nichts mehr“, „Alles ist mir egal“ oder „Ich funktioniere nur noch“.

Innere Leere bedeutet nicht einfach Traurigkeit. Häufig geht es um einen Verlust des emotionalen Zugangs zu sich selbst. Dieser Zustand kann vorübergehend auftreten, er kann sich aber auch verfestigen und das Selbst- und Beziehungserleben deutlich verändern.

Wie fühlt sich innere Leere bei Jugendlichen an?

Jugendliche beschreiben innere Leere häufig als emotionale Taubheit. Es fehlt der Zugang zu Freude, Wut oder Traurigkeit. Dinge, die früher wichtig waren, wirken bedeutungslos. Manche berichten, sie seien innerlich abgeschaltet und würden im Alltag nur noch funktionieren.

Einige Jugendliche sagen, sie wüssten, dass Gefühle eigentlich da sein müssten, könnten sie aber nicht erreichen. Andere erleben zusätzlich innere Spannung oder Unruhe. Innere Leere im Jugendalter ist deshalb schwer einzuordnen, weil sie weniger sichtbar ist als starke Angst oder Wut und dennoch sehr belastend sein kann.

Ist innere Leere dasselbe wie eine Depression?

Innere Leere wird häufig mit Depression verwechselt. Es gibt Überschneidungen, aber auch wichtige Unterschiede.

Bei einer Depression stehen meist gedrückte Stimmung, Interessenverlust und negative Selbstbewertungen im Vordergrund. Gefühle sind vorhanden, aber stark negativ geprägt. Bei innerer Leere geht es eher um einen Mangel an emotionaler Wahrnehmung. Betroffene erleben nicht vor allem Traurigkeit, sondern ein Fehlen von Gefühl.

Auch emotionale Erschöpfung nach längerer Überlastung kann zu innerem Rückzug führen. Strukturelle Schwierigkeiten in der Wahrnehmung und Integration von Gefühlen können ebenfalls als Leere erlebt werden. Teilweise können dissoziative Prozesse eine Rolle spielen, bei denen emotionale Anteile abgespalten werden.

Gerade im Jugendalter können diese Zustände ineinander übergehen. Eine differenzierte psychotherapeutische Einschätzung ist deshalb wichtig.

Warum entsteht innere Leere im Jugendalter?

Innere Leere entsteht in der Regel nicht grundlos. Häufig erfüllt sie eine Schutzfunktion.

Bei chronischer emotionaler Überforderung kann das psychische System die Intensität des Erlebens reduzieren, um eine weitere Überflutung zu verhindern. Wenn Gefühle in wichtigen Beziehungen wiederholt nicht verstanden oder nicht beantwortet werden, kann sich langfristig ein Rückzug vom eigenen inneren Erleben entwickeln.

Auch traumatische Erfahrungen können eine Rolle spielen. Nach belastenden oder traumatischen Ereignissen berichten Jugendliche häufig von emotionaler Taubheit. Innere Leere kann hier als Schutzreaktion des Nervensystems verstanden werden. Sie hilft, überwältigende Affekte vorübergehend zu dämpfen.

Nicht jede innere Leere weist auf ein Trauma hin. Umgekehrt zeigen sich traumatische Belastungen nicht immer in Form von Angst oder aufdrängenden Erinnerungen. Manchmal äußern sie sich gerade in einem Mangel an fühlbarer Emotion.

Das Jugendalter ist zudem eine Phase intensiver Identitätsentwicklung. Wenn widersprüchliche Selbstbilder oder innere Konflikte schwer integrierbar sind, kann vorübergehend ein Gefühl von Leere entstehen.

Welche Funktion kann innere Leere haben?

So belastend sie erlebt wird, innere Leere im Jugendalter ist häufig ein Versuch der inneren Stabilisierung. Sie kann helfen, innere Spannung zu reduzieren, überwältigende Gefühle abzuwehren oder widersprüchliche innere Zustände zu beruhigen. In manchen Fällen ermöglicht sie es, trotz hoher Belastung im Alltag weiter zu funktionieren.

Problematisch wird innere Leere dann, wenn sie dauerhaft bleibt und die Entwicklung, Beziehungen oder die Selbstwahrnehmung deutlich einschränkt.

Wie wirkt sich innere Leere im Alltag aus?

Innere Leere kann zu sozialem Rückzug führen. Interessen verlieren an Bedeutung, schulische Leistungen können nachlassen, Konzentrationsprobleme treten auf. Manche Jugendliche suchen gezielt nach intensiven Reizen, um überhaupt wieder etwas zu spüren.

In einzelnen Fällen kann selbstschädigendes Verhalten auftreten, um emotionale Wahrnehmung kurzfristig zu aktivieren. Gerade hier ist eine fachlich fundierte psychotherapeutische Unterstützung wichtig.

Wie kann Psychotherapie bei innerer Leere helfen?

Psychotherapie bei innerer Leere im Jugendalter zielt nicht darauf ab, Gefühle zu erzwingen. Im Mittelpunkt steht das schrittweise Wiederherstellen eines differenzierten emotionalen Zugangs.

Dazu gehört das Wahrnehmen und Benennen von Gefühlen, das Verstehen innerer Widersprüche sowie die Einordnung belastender Beziehungserfahrungen. Wenn traumatische Hintergründe eine Rolle spielen, können diese behutsam aufgearbeitet werden. Gleichzeitig wird die Fähigkeit zur Affektregulation gestärkt.

Mit zunehmender Klarheit über innere Prozesse kann sich auch das emotionale Erleben verändern. Innere Leere verliert ihre Schutzfunktion, wenn andere Formen der inneren Stabilisierung verfügbar werden.

Wann ist eine psychotherapeutische Abklärung sinnvoll?

Eine psychotherapeutische Abklärung kann sinnvoll sein, wenn innere Leere über Wochen oder Monate anhält, wenn deutlicher sozialer Rückzug entsteht, wenn selbstschädigendes Verhalten hinzukommt oder wenn schulische und soziale Entwicklung spürbar beeinträchtigt sind.

Innere Leere im Jugendalter ist ein ernstzunehmendes Signal. Sie weist darauf hin, dass das innere System versucht, mit Belastung umzugehen. Dieser Prozess kann verstanden und verändert werden.