München,20.03.25

Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

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Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

Warum kommen traumatische Erinnerungen immer wieder zurück?

Flashbacks, Intrusionen und Trigger nach traumatischen Erfahrungen verstehen

Manche Jugendliche erleben nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen, dass Erinnerungen plötzlich wieder auftauchen. Ein Bild aus der Situation erscheint vor dem inneren Auge, ein bestimmtes Gefühl wird wieder sehr stark oder der Körper reagiert mit Anspannung, obwohl im Moment eigentlich nichts Gefährliches passiert. Solche Erfahrungen können irritierend sein. Viele Jugendliche fragen sich dann, warum Erinnerungen immer wieder zurückkommen, obwohl das Ereignis längst vorbei ist. In der Psychologie ist bekannt, dass traumatische Erfahrungen im Gedächtnis häufig anders gespeichert und verarbeitet werden als alltägliche Erinnerungen. Deshalb können sie auch auf eine andere Weise wieder auftauchen.

Alltägliche Erfahrungen werden im Gedächtnis meistens als zusammenhängende Erinnerungen gespeichert. Wenn man sich an ein Ereignis erinnert, weiß man in der Regel, wann etwas passiert ist, wo es stattgefunden hat und in welchem Zusammenhang es steht. Solche Erinnerungen sind in die eigene Lebensgeschichte eingebettet und können bewusst abgerufen werden, wenn man über sie nachdenkt. Mit der Zeit verlieren sie häufig an emotionaler Intensität und werden als etwas erlebt, das eindeutig zur Vergangenheit gehört.

Bei traumatischen Erfahrungen kann dieser Prozess teilweise anders verlaufen. Während einer extrem belastenden Situation ist das Gehirn stark mit Schutz- und Überlebensreaktionen beschäftigt. Aufmerksamkeit und Wahrnehmung richten sich vor allem auf mögliche Gefahren. In solchen Momenten werden bestimmte Eindrücke besonders intensiv gespeichert. Dazu gehören häufig visuelle Details einer Situation, bestimmte Geräusche, körperliche Empfindungen oder sehr starke Gefühle wie Angst, Panik oder Hilflosigkeit. Gleichzeitig kann es schwieriger sein, das gesamte Ereignis als zusammenhängende Geschichte zu verarbeiten. Erinnerungen können dadurch eher aus einzelnen Fragmenten bestehen als aus einer klaren Abfolge von Ereignissen. Diese fragmentierte Speicherung kann eine Rolle dabei spielen, warum traumatische Erinnerungen später wieder plötzlich auftauchen.

Eine häufige Form traumatischer Erinnerung sind sogenannte Intrusionen. Damit sind Erinnerungen gemeint, die sich ungewollt in das Bewusstsein drängen. Sie treten meist plötzlich auf und lassen sich nicht bewusst steuern. Intrusionen können sich als kurze Bilder der Situation zeigen, als einzelne Gedankensplitter oder als intensive Gefühle, die mit der Erfahrung verbunden sind. Manchmal treten auch körperliche Reaktionen wie Anspannung, innere Unruhe oder ein Gefühl von Alarmbereitschaft auf. Intrusionen dauern oft nur kurz, können aber sehr belastend sein, weil sie unerwartet auftreten. Trotz dieser Intensität bleibt in der Regel ein wichtiger Unterschied bestehen: Die betroffene Person weiß weiterhin, dass es sich um eine Erinnerung aus der Vergangenheit handelt.

Von Intrusionen zu unterscheiden sind sogenannte Flashbacks. Flashbacks sind eine intensivere Form traumatischer Erinnerung. Während bei einer Intrusion klar bleibt, dass man sich erinnert, kann bei einem Flashback der Eindruck entstehen, dass die Situation im Moment wieder geschieht. Manche Jugendliche berichten, dass Bilder der damaligen Situation plötzlich sehr real erscheinen oder dass Geräusche oder Stimmen wieder deutlich wahrgenommen werden. Gleichzeitig können starke körperliche Reaktionen auftreten, etwa ein Gefühl von Angst, Anspannung oder das Bedürfnis, sich aus der Situation zurückzuziehen. In solchen Momenten kann die aktuelle Umgebung teilweise in den Hintergrund treten, sodass die Erinnerung sehr gegenwärtig wirkt. Flashbacks dauern häufig nur wenige Sekunden oder Minuten, können aber sehr intensiv erlebt werden, weil die Gefühle und körperlichen Reaktionen der ursprünglichen Situation wieder aktiviert werden.

Traumatische Erinnerungen werden häufig durch sogenannte Trigger ausgelöst. Trigger sind Reize oder Situationen, die Ähnlichkeiten mit der ursprünglichen Erfahrung haben. Das können zum Beispiel bestimmte Geräusche, Gerüche oder Orte sein. Auch zwischenmenschliche Situationen oder bestimmte emotionale Zustände können eine Rolle spielen. Das Gehirn erkennt manchmal unbewusst eine Verbindung zwischen der aktuellen Situation und der früheren Erfahrung. Dadurch kann ein Teil der Erinnerung aktiviert werden, auch wenn die aktuelle Situation eigentlich ungefährlich ist. Manchmal ist der Zusammenhang sofort erkennbar. In anderen Fällen wirkt es zunächst so, als ob eine Erinnerung ohne erkennbaren Grund auftaucht.

Viele Jugendliche berichten allerdings auch, dass traumatische Erinnerungen manchmal auftauchen, ohne dass ein klarer Auslöser erkennbar ist. In solchen Momenten wirkt es so, als ob Bilder, Gefühle oder körperliche Reaktionen plötzlich entstehen, obwohl die aktuelle Situation eigentlich ruhig oder unauffällig ist. Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Erinnerungen werden nicht nur durch äußere Reize aktiviert, sondern auch durch innere Zustände. Dazu gehören zum Beispiel starke Gefühle, körperliche Anspannung, Müdigkeit oder Stress. Wenn der Körper in einen ähnlichen Zustand gerät wie während der ursprünglichen Erfahrung, kann das Nervensystem unbewusst eine Verbindung herstellen. Dadurch können einzelne Erinnerungsfragmente aktiviert werden, auch wenn äußerlich kein klarer Auslöser sichtbar ist.

Ein weiterer Grund liegt darin, dass traumatische Erinnerungen häufig nicht als vollständige Geschichte gespeichert sind, sondern aus einzelnen Fragmenten bestehen. Bestimmte Gefühle, Körperempfindungen oder Bilder können deshalb relativ unabhängig voneinander aktiviert werden. Manchmal taucht zunächst nur ein Gefühl auf, zum Beispiel Angst oder starke Anspannung. Erst später wird deutlich, dass dieses Gefühl mit einer früheren Erfahrung zusammenhängt. Für Jugendliche kann es deshalb so wirken, als ob Erinnerungen plötzlich „aus dem Nichts“ auftauchen.

Ein weiterer Grund dafür, dass traumatische Erinnerungen so intensiv wirken können, liegt in der engen Verbindung zwischen Erinnerung und körperlicher Stressreaktion. Wenn eine Erinnerung aktiviert wird, kann das Nervensystem reagieren, als ob erneut eine Gefahr besteht. Der Körper bereitet sich dann automatisch auf Schutz oder Flucht vor. Dadurch können zum Beispiel Anspannung der Muskulatur, ein schnellerer Herzschlag, innere Unruhe oder ein starkes Bedürfnis entstehen, die Situation zu verlassen. Diese körperlichen Reaktionen können dazu beitragen, dass sich eine Erinnerung besonders real und gegenwärtig anfühlt.

Viele Jugendliche fragen sich auch, warum traumatische Erinnerungen manchmal noch lange nach dem Ereignis auftreten. Ein möglicher Grund ist, dass traumatische Erfahrungen häufig nicht sofort vollständig verarbeitet werden können. Solange einzelne Erinnerungsfragmente stark mit Angst oder Stress verbunden sind, können sie leichter wieder aktiviert werden. Mit der Zeit kann es jedoch möglich werden, diese Erfahrungen besser einzuordnen und in die eigene Lebensgeschichte zu integrieren. Wenn Erinnerungen stärker als Teil der Vergangenheit verstanden werden, verlieren sie häufig an Intensität.

Wenn traumatische Erinnerungen sehr häufig auftreten oder stark belasten, kann psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. In einer Therapie geht es unter anderem darum, traumatische Erfahrungen besser zu verstehen und einzuordnen. Dabei kann es hilfreich sein zu erkennen, welche Situationen Erinnerungen auslösen und wie körperliche und emotionale Reaktionen damit zusammenhängen. Schritt für Schritt kann es möglich werden, belastende Erinnerungen so zu verarbeiten, dass sie nicht mehr so plötzlich oder überwältigend auftreten.

Dass traumatische Erinnerungen wieder auftauchen können, ist eine bekannte Reaktion nach belastenden Erfahrungen. Solche Erinnerungen können unterschiedliche Formen annehmen, zum Beispiel als Intrusionen oder als Flashbacks. Für viele Jugendliche kann es entlastend sein zu verstehen, dass diese Reaktionen erklärbar sind und dass es Möglichkeiten gibt, mit ihnen umzugehen. Psychotherapie kann dabei unterstützen, traumatische Erfahrungen besser zu verstehen, einzuordnen und langfristig weniger belastend zu erleben.