Krisenintervention und Traumatherapie – Unterschiede, Dauer und Ziele
Belastende Lebenssituationen können sehr unterschiedlich erlebt werden. Manche Phasen fühlen sich plötzlich überwältigend an, andere wirken über längere Zeit nach und beeinflussen Gedanken, Gefühle und Beziehungen. In der psychotherapeutischen Versorgung werden in diesem Zusammenhang häufig die Begriffe Krisenintervention und Traumatherapie verwendet. Beide Angebote haben unterschiedliche Schwerpunkte, Ziele und zeitliche Rahmenbedingungen.
Dieser Artikel erläutert, was unter einer Krisenintervention zu verstehen ist, wie lange sie dauert und wie sie sich von einer Traumatherapie unterscheidet. Zusätzlich wird dargestellt, welche Rolle EMDR innerhalb der Traumatherapie spielen kann. Der Text richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene und soll einen sachlichen Überblick bieten.
Eine Krisenintervention ist eine kurzfristige psychotherapeutische Unterstützung bei einer akuten seelischen Belastung. Sie richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in einer Situation befinden, die als nicht mehr bewältigbar erlebt wird. Der Fokus liegt auf dem aktuellen Moment. Ziel ist nicht die langfristige Aufarbeitung der Lebensgeschichte, sondern die Stabilisierung der aktuellen Situation sowie die Wiederherstellung von Orientierung und innerer Sicherheit.
Auslöser für eine Krise können sehr unterschiedlich sein. Entscheidend ist dabei weniger das äußere Ereignis als das subjektive Erleben von Überforderung, Kontrollverlust oder innerer Desorganisation. In der Krisenintervention wird gemeinsam eingeordnet, was aktuell belastet und welche inneren und äußeren Ressourcen zur Verfügung stehen.
Die Krisenintervention verfolgt klar begrenzte Ziele. Dazu gehören die emotionale Entlastung, die Stabilisierung der aktuellen Situation sowie die Förderung von Überblick und innerer Sicherheit. Im therapeutischen Gespräch geht es darum, die momentane Belastung verstehbar zu machen und die Handlungsfähigkeit im Alltag wieder zu stärken.
Zeitlich ist die Krisenintervention begrenzt. In der Regel umfasst sie zwischen ein und fünf Sitzungen, in einzelnen Fällen auch bis zu sieben Stunden. Die Termine finden meist innerhalb eines überschaubaren Zeitraums statt und dienen der Unterstützung in einer akuten Belastungsphase. Die Krisenintervention ersetzt keine längerfristige Psychotherapie, kann jedoch eine wichtige Grundlage darstellen, um zu klären, ob weitere therapeutische Unterstützung sinnvoll ist.
Die Traumatherapie unterscheidet sich deutlich von der Krisenintervention. Sie ist eine psychotherapeutische Behandlung, die sich mit belastenden oder überwältigenden Erfahrungen beschäftigt, die länger anhaltende innere Auswirkungen haben können. Im Mittelpunkt steht hier nicht die akute Stabilisierung, sondern die strukturierte Verarbeitung und Einordnung dieser Erfahrungen.
Traumatherapie setzt voraus, dass ausreichend innere Stabilität vorhanden ist. Häufig wird daher zunächst stabilisierend gearbeitet, bevor belastende Inhalte vertieft bearbeitet werden. Der therapeutische Prozess ist individuell angepasst und orientiert sich am jeweiligen Tempo der betroffenen Person.
Ziele der Traumatherapie sind unter anderem ein besseres Verständnis eigener innerer Reaktionen, die Reduktion innerer Spannungszustände sowie die Stärkung der Selbstwahrnehmung und Selbstregulation. Belastende Erfahrungen sollen schrittweise in die eigene Lebensgeschichte integriert werden, ohne den Alltag dauerhaft zu beeinträchtigen.
Innerhalb der Traumatherapie können verschiedene therapeutische Methoden eingesetzt werden. Eine davon ist EMDR, kurz für Eye Movement Desensitization and Reprocessing. EMDR ist ein anerkanntes Verfahren zur Verarbeitung belastender Erinnerungen. Dabei werden gezielte bilaterale Reize genutzt, zum Beispiel geführte Augenbewegungen, um die Verarbeitung von Erinnerungen zu unterstützen und ihre emotionale Intensität zu reduzieren.
EMDR wird nicht isoliert angewendet, sondern ist Teil eines umfassenden therapeutischen Vorgehens. Dazu gehören eine sorgfältige Vorbereitung, stabilisierende Elemente, Ressourcenarbeit sowie die anschließende Integration der bearbeiteten Inhalte. Besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist ein behutsames und strukturiertes Vorgehen von großer Bedeutung.
Die Dauer einer Traumatherapie ist individuell unterschiedlich. Sie hängt unter anderem von der Art und dem Umfang der belastenden Erfahrungen, der aktuellen Lebenssituation sowie den vorhandenen inneren Ressourcen ab. Im Gegensatz zur Krisenintervention ist die Traumatherapie mittel- bis langfristig angelegt und kann sich über mehrere Monate oder länger erstrecken.
Krisenintervention und Traumatherapie verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich sinnvoll. Während die Krisenintervention kurzfristig stabilisiert und entlastet, bietet die Traumatherapie Raum für eine vertiefte psychotherapeutische Auseinandersetzung mit belastenden Erfahrungen. In manchen Fällen beginnt der therapeutische Weg mit einer Krisenintervention und geht bei ausreichender Stabilität in eine weiterführende Traumatherapie über.
Für Jugendliche und junge Erwachsene kann es entlastend sein zu wissen, dass es unterschiedliche Formen psychotherapeutischer Unterstützung gibt, die sich an der jeweiligen Situation und dem individuellen Bedarf orientieren.