München,20.03.25

Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

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Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

Selbstverletzung bei Jugendlichen – Ursachen, Hintergründe und psychotherapeutische Behandlung

Warum verletzen sich Jugendliche selbst?

Selbstverletzendes Verhalten gehört zu den psychischen Symptomen, die besonders im Jugendalter auftreten können. Für Außenstehende wirkt dieses Verhalten häufig schwer nachvollziehbar. Um zu verstehen, weshalb Jugendliche sich selbst verletzen, genügt es jedoch nicht, das Verhalten allein zu betrachten. Entscheidend ist vielmehr, welche psychischen Belastungen dem Verhalten vorausgehen und weshalb die Selbstverletzung für den Jugendlichen in diesem Moment zu einer Möglichkeit geworden ist, mit diesen Belastungen umzugehen.

Der Selbstverletzung geht häufig eine zunehmende innere Anspannung voraus. Gedanken, Gefühle oder innere Konflikte werden als kaum noch steuerbar erlebt. Die Selbstverletzung verändert diesen Zustand oft unmittelbar. Die Anspannung nimmt ab, belastende Gedanken treten für kurze Zeit in den Hintergrund oder das Gefühl innerer Leere verändert sich. Gerade diese kurzfristige Entlastung erklärt, weshalb Selbstverletzungen wiederholt auftreten können.

Warum wird Selbstverletzung häufig wiederholt?

Viele Jugendliche nehmen sich nach einer Selbstverletzung fest vor, damit aufzuhören. Trotzdem kommt es in einer erneuten Belastungssituation häufig wieder zu diesem Verhalten. Der Grund liegt meist nicht in einem fehlenden Veränderungswunsch.

Die kurzfristige Entlastung führt dazu, dass das Gehirn diesen Weg zunehmend als Bewältigungsmöglichkeit speichert. Mit jeder Wiederholung sinkt die Hemmschwelle, erneut zur Selbstverletzung zu greifen. Nach und nach kann sich ein verfestigtes Verhaltensmuster entwickeln.

Selbstverletzung ist keine Suchterkrankung im klassischen Sinn. Sie kann jedoch einen suchtähnlichen Charakter entwickeln. Nicht die Verletzung selbst steht dabei im Vordergrund, sondern die Erwartung, dass sich der innere Zustand unmittelbar verändert. Genau deshalb reichen gute Vorsätze häufig nicht aus, um das Verhalten dauerhaft zu beenden.

Schuld- und Schamgefühle verstärken den Leidensdruck

Die Entlastung hält meist nur kurze Zeit an. Anschließend treten häufig Schuld- und Schamgefühle auf. Viele Jugendliche ärgern sich darüber, dass sie sich erneut verletzt haben, obwohl sie eigentlich damit aufhören wollten. Andere erleben das Gefühl, die Kontrolle über das Verhalten zu verlieren.

Hinzu kommt häufig die Sorge, dass andere die Verletzungen entdecken könnten. Manche beginnen deshalb, ihre Arme oder Beine konsequent zu bedecken, vermeiden Schwimmbadbesuche oder ziehen sich zunehmend zurück. Die Selbstverletzung bleibt dadurch nicht selten über Monate oder sogar Jahre verborgen.

Schuld- und Schamgefühle erhöhen wiederum die psychische Belastung. Es kann ein Kreislauf entstehen: Auf eine zunehmende innere Anspannung folgt die Selbstverletzung, anschließend entstehen Schuld- und Schamgefühle, die den Leidensdruck erneut verstärken. Kommt es später wieder zu einer starken inneren Anspannung, steigt das Risiko, dass sich dieser Kreislauf wiederholt.

Welche Rolle können traumatische Erfahrungen spielen?

Nicht jeder Jugendliche mit selbstverletzendem Verhalten hat traumatische Erfahrungen gemacht. Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass belastende oder traumatische Erlebnisse das Risiko für selbstverletzendes Verhalten erhöhen können.

Nach traumatischen Erfahrungen bleibt das innere Alarmsystem bei manchen Jugendlichen dauerhaft aktiviert. Andere leiden unter einer anhaltenden inneren Anspannung, intensiven Gefühlen von Angst, Wut oder Hilflosigkeit oder erleben Phasen emotionaler Leere. Manche fühlen sich innerlich wie von sich selbst abgeschnitten. Unter diesen Bedingungen kann Selbstverletzung zu einem Versuch werden, einen psychischen Zustand kurzfristig zu verändern.

Die Selbstverletzung ist dabei nicht die Ursache der psychischen Belastung, sondern häufig ein Symptom einer bereits länger bestehenden seelischen Problematik.

Warum richtet sich Psychotherapie nicht nur auf die Selbstverletzung?

Psychotherapeutisch steht deshalb nicht allein die Selbstverletzung im Mittelpunkt. Entscheidend ist die Frage, wodurch das Verhalten entstanden ist und weshalb es trotz seiner belastenden Folgen immer wieder auftritt.

Erst wenn die zugrunde liegenden psychischen Zusammenhänge verstanden werden, lässt sich erkennen, weshalb die Selbstverletzung für den Jugendlichen eine bestimmte Bedeutung entwickelt hat. Je nach Ursache können dabei traumatische Erfahrungen, depressive Entwicklungen, Angststörungen, familiäre Belastungen oder andere psychische Konflikte eine Rolle spielen.

Mit der Bearbeitung dieser zugrunde liegenden Belastungen verliert die Selbstverletzung häufig nach und nach ihre Funktion. Gleichzeitig können neue Möglichkeiten entstehen, mit innerer Anspannung und belastenden Gefühlen umzugehen.

Fazit

Selbstverletzung bei Jugendlichen entsteht meist nicht ohne Vorgeschichte. Häufig entwickelt sie sich als Reaktion auf psychische Belastungen, die über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend verarbeitet werden konnten. Die kurzfristige Entlastung kann dazu beitragen, dass sich das Verhalten verfestigt und ein suchtähnlicher Kreislauf entsteht.

Eine psychotherapeutische Behandlung richtet sich deshalb nicht allein auf die Selbstverletzung selbst, sondern auf die psychischen Ursachen und Zusammenhänge, durch die das Verhalten entstanden ist und aufrechterhalten wird.