München,20.03.25

Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

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Psychotherapie für Jugendliche und junge Erwachsene

Ängste im Jugendalter und die Rolle von Social Media

Ängste gehören zur normalen Entwicklung im Jugendalter. In dieser Lebensphase verändern sich Körper, Selbstbild, Beziehungen und Zukunftsvorstellungen oft gleichzeitig. Jugendliche beginnen, sich stärker mit sich selbst und mit anderen zu vergleichen, übernehmen mehr Verantwortung und erleben wachsende Leistungsanforderungen in Schule und Ausbildung.

Problematisch wird es, wenn Ängste nicht mehr vorübergehend sind, sondern den Alltag dauerhaft einschränken. Viele Jugendliche berichten von anhaltender innerer Anspannung, Sorgen um Bewertung und Ablehnung oder dem Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Diese Erfahrungen entstehen nicht isoliert, sondern sind eng mit den sozialen Kontexten verbunden, in denen Jugendliche sich bewegen – dazu gehört heute fast immer auch Social Media.

Soziale Medien sind für Jugendliche ein zentraler Ort der Orientierung. Sie dienen der Kontaktpflege, der Selbstdarstellung und der Zugehörigkeit. Gleichzeitig verstärken sie Prozesse, die für die Entwicklung von Ängsten relevant sind.

Plattformen wie Instagram, TikTok oder Snapchat zeigen überwiegend idealisierte Ausschnitte aus dem Leben anderer. Erfolge, Attraktivität, soziale Beliebtheit und scheinbare Leichtigkeit werden sichtbar, während Unsicherheiten, Zweifel und Konflikte meist ausgeblendet bleiben. Jugendliche vergleichen sich nicht mit realistischen Maßstäben, sondern mit kuratierten Bildern.

Für viele entsteht daraus das Gefühl, nicht zu genügen: nicht schön genug, nicht erfolgreich genug, nicht interessant genug. Diese dauerhafte Selbstbewertung kann Ängste vor sozialer Ablehnung, Versagensängste und ein fragiles Selbstwertgefühl verstärken.

Ein weiterer belastender Faktor ist die permanente Erreichbarkeit. Nachrichten, Likes und Reaktionen können jederzeit eintreffen – oder ausbleiben. Für Jugendliche bedeutet das oft eine unterschwellige Daueranspannung.

Viele beschreiben die Sorge, etwas zu verpassen oder nicht schnell genug zu reagieren. Bleiben Rückmeldungen aus, entstehen Unsicherheiten: „Habe ich etwas falsch gemacht?“ oder „Warum antworten die anderen nicht?“ Solche Gedankenkreise fördern Grübeln und innere Unruhe, die sich bis zu ausgeprägten Angstzuständen steigern können.

Gleichzeitig fällt es schwer, sich innerlich abzugrenzen. Auch in Momenten, die eigentlich der Erholung dienen sollten, bleibt der soziale Vergleich präsent.

Das Jugendalter ist eine Phase der Identitätsentwicklung. Jugendliche fragen sich, wer sie sind, wie sie wirken und wo sie dazugehören. Social Media verstärkt diesen Prozess, indem Rückmeldungen öffentlich sichtbar werden und scheinbar objektive Maßstäbe liefern.

Likes, Followerzahlen oder Kommentare können unbewusst zu einem Maß für den eigenen Wert werden. Bleiben sie aus oder fallen negativ aus, wird das schnell als persönliche Zurückweisung erlebt. Ängste entstehen nicht nur vor konkreten Situationen, sondern auch vor dem eigenen inneren Erleben: vor Scham, Kränkung oder dem Gefühl, wertlos zu sein.

Jugendliche sprechen selten direkt von „Angst“. Häufig äußert sie sich indirekt: als Rückzug, Reizbarkeit, Schlafprobleme oder körperliche Beschwerden. Manche wirken nach außen angepasst und leistungsfähig, fühlen sich innerlich jedoch dauerhaft angespannt oder leer.

Im Zusammenhang mit Social Media berichten viele von dem Gefühl, ständig beobachtet oder bewertet zu werden. Selbst offline bleibt die innere Vorstellung eines Publikums bestehen. Diese innere Dauerbeobachtung kann dazu führen, dass Jugendliche sich selbst kaum noch als handelnde Subjekte erleben, sondern als Objekte der Bewertung.

In der psychotherapeutischen Arbeit mit Jugendlichen geht es nicht darum, Social Media pauschal zu problematisieren. Entscheidend ist, zu verstehen, welche Bedeutung digitale Räume für den einzelnen Jugendlichen haben.

Aus tiefenpsychologischer und insbesondere transference-fokussierter Perspektive stehen Fragen im Mittelpunkt wie: Welche inneren Konflikte werden durch soziale Vergleiche aktiviert? Welche Beziehungserfahrungen wiederholen sich in digitalen Interaktionen? Wie wird Selbstwert innerlich reguliert – und wie abhängig ist er von äußerer Bestätigung?

Ängste werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als Ausdruck innerer Spannungen, Beziehungserfahrungen und struktureller Entwicklungsfragen verstanden.

Wenn Ängste den Alltag deutlich beeinträchtigen, soziale Kontakte vermieden werden oder sich Rückzug und innere Leere verstärken, kann psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Ein geschützter therapeutischer Rahmen ermöglicht es Jugendlichen, ihre inneren Erfahrungen ernst zu nehmen und ein stabileres Selbstgefühl zu entwickeln – unabhängig von digitaler Bewertung.

Social Media ist nicht die Ursache von Ängsten im Jugendalter, kann jedoch bestehende Unsicherheiten verstärken und sichtbar machen. Für Jugendliche bedeutet das oft eine hohe innere Belastung, die nach außen kaum erkennbar ist. Ein differenzierter Blick auf ihre Lebenswelt und ihre inneren Konflikte ist entscheidend, um Ängste zu verstehen und nachhaltig zu begleiten.